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Geschichten und Poesie

"Kleine" und "Große" haben uns ihre Texte zur Verfügung gestellt. Wir hoffen, dass unsere "Pergamentrolle" mit der Zeit immer weiter herunter gescrollt werden kann.


Die Geschichte vom kleinen roten Akkordeon

von "Fairytale"


Bild: Martina Klusmeier, c 2009

Dunkel war es, sehr dunkel. Das kleine Akkordeon wusste nicht, wie lange es schon in dieser Dunkelheit zugebracht hatte. Manchmal war es warm gewesen, manchmal kalt, manchmal etwas feucht, manches Mal knochentrocken. Aber dunkel –dunkel war es immer gewesen. Deshalb erschrak es auch so sehr, als plötzlich blendendes Licht um es herum war. Sollte ... ja, sollte die jahrelange Gefangenschaft ein Ende haben? Sollte

jemand die dunkle Kiste geöffnet haben?? Hatte endlich jemand sich daran erinnert das es noch da war?

Große Freude packte das kleine rote Akkordeon, aber fast gleichzeitig auch Angst und Erschrecken. Was wäre, wenn ... bloß nicht daran denken!!

Es spürte, wie es aus dem dunklen Koffer gehoben wurde, und nach langer Zeit wieder in der Luft zu schweben, machte es fast schwindelig. Oh, die Luft, die gute, alte frische Luft. Jetzt tief durchatmen dürfen ...

Meine Güte. Als es tief Luft holte, wurde es brutal eines Besseren belehrt. Nichts war es mit guter Luft – nur Staub und Spinnweben. Brr ... das arme Akkordeon hustete und spuckte, und beinahe wäre es längelangs auf den Boden geplumpst, wenn nicht zwei andere starke Hände es aufgefangen hätten.

Nein, sie würden es sicher sofort wieder in die dunkle Kiste sperren! Wer konnte schon etwas anfangen mit einem so alten Akkordeon wie ihm, das nicht einmal mehr richtige Töne erzeugen konnte ... nur Krächz- und Ächzlaute.

Vor Aufregung begann das kleine rote Akkordeon zu schwitzen, der Schweiß lief ihm über den Balg und die Tasten, und ein dichter Nebel legte sich vor seinen Blick ...

Nein, nur nicht wieder in die Kiste. Ich probiere es noch einmal. Es muss doch gehen, es muss ...

Noch einmal tief Luft geholt, und bloß nicht aufgeben ...

Oh weh – das sollte ein Ton sein?

Es erinnerte sich wieder an alte Lieder, die es einmal hatte spielen dürfen, wunderschöne Töne, die man ihm entlockt hatte. Wenn es wieder so werden könnte, vielleicht konnte es ja wieder so werden. Warum sonst hatte man es herausgeholt, nach all der Zeit?

Und das kleine rote Akkordeon mühte sich, und mühte sich, und mit jedem Mal klangen die Töne besser, die es aus sich herausquetschte, bis es sich schließlich anhörte wie ... ja, so musste ein Akkordeon klingen. Genau so!

***

„Meinst Du, man kann noch etwas damit anfangen?“ fragte Mutter skeptisch. „Es ist ja doch schon sehr alt!“

„Aber es geht ja schon wieder ein bisschen“, Vater kratzte sich am Kopf. „Vielleicht kann man es ja reparieren lassen. – Willst du es denn wirklich haben?“ wandte er sich an seinen Sohn.

Benjamin nickte eifrig mit dem Kopf und schlang beide Hände um das unansehnliche alte Teil. „Ganz bestimmt. Schau’ nur, es hat sich doch so angestrengt. Es will ganz bestimmt, das ich es spiele“.

„Na ja, na ja ...“, murmelte Mutter halblaut

Aber Vater erinnerte sich an ganz alte Zeiten, als er selbst mit dem kleinen roten Akkordeon gespielt hatte; als es noch funkelnagelneu gewesen war. Und wie stolz war er damals gewesen. Doch, Vater konnte Benjamin verstehen.

Und als sie die Treppe vom Dachboden wieder hinunterstiegen, unter Vaters Arm die Kiste mit dem Akkordeon darin, warfen Vater und Sohn sich einem wissenden Blick zu: Ja, sie beide hatten das Akkordeon verstanden.

*     *     *


Eine geheimnisvolle Gestalt

von K.B. und D.L.

Es ist ein sommerlicher Abend. Alles scheint ruhig zu sein in der Musikschule. Doch da! Bewegt sich da nicht etwas?! Ja, ein Schatten huscht durch die Eingangstür, sprintet in den 1. Stock und dort in einen der Unterrichtsräume. Man hört Gepolter, dann herrscht nur noch die durchdringende Stille der Nacht.

bald schiebt der Schatten sich wieder aus der Tür. Dieses seltsame Spiel wiederholt sich in allen Räumen des 1. Stocks. Dann verschwindet der Schatten so lautlos, wie er gekommen ist.

Am nächsten Morgen ist von den gespenstischen Geschehnissen des Abends zunächst nichts zu merken. Mittags kommen die Musikschüler wie gewohnt in das Gebäude und da bricht ein großer Tumult aus! Denn immer, wenn einer versucht, auch nur einen Ton aus einem der Klaviere des ersten Stocks zu erzeugen, ist bestenfalls zu hören, wie die Tasten kläglich auf das Holz der Klavierverkleidung stoßen. Sofort reißen die Lehrer die Deckel hoch, aber nichts Ungewöhnliches ist zu entdecken. Also stürmen Schüler und Lehrer los, um das seltsame Ereignis zu melden.  

Nur in einem der Räume wird etwas gefunden! Die Lehrerin ist schon losgerannt, aber die Schülerin - sie heißt Annika - will sich das Klavier noch einmal ansehen. Sie beugt sich darüber und plötzlich sieht sie ein schwarzes Mantelstück zwischen den Saiten hängen. Verdutzt fischt sie es heraus und steckt es in ihre Hosentasche. 'Vielleicht kann ich es noch gebrauchen', denkt sie.

Am Abend trifft sich Annika mit ihren Freundinnen Nadja und Katharina. Nachdem sie den beiden ihren Fund gezeigt und von den tonlosen Klavieren erzählt hat, beschließen die drei, noch einmal zur Musikschule zu fahren.

Als sie dort ankommen, sieht alles wie ausgestorben aus. Nach einer kurzen Beratung verstecken sie sich in einem Gebüsch am Eingang der Schule. Ihre Herzen klopfen bis zum Hals.

Aber was ist, wenn heute alles ruhig bleibt?

Oder wenn der Besitzer des Mantels, von dem sie ein Stück in der Tasche haben, sie bemerkt und entführt?

Oder wenn der Täter sowieso jemand anders ist und sich das Mantelstück nur durch Zufall im Klavier festgehakt hat?

Und wie, um alles in der Welt, kann man einem Klavier die Töne klauen?

Das sind die Fragen, die ihnen im Kopf herumspuken, während sie auf der Lauer liegen.

Doch schon bald regt sich etwas im gegenüberliegenden Haus. Eine Gestalt schleicht aus der Haustür und wendet sich der Musikschule zu.

Sie geht so lautlos, dass die drei Mädchen sie beinahe nicht bemerken, als sie an ihnen vorbeikommt. Doch sie sehen sie noch rechtzeitig und schauen genauer hin. Es ist ein Mann, der einen schwarzen Mantel an hat, aus dem ein Stück fehlt. Und er trägt etwas darunter!

Der Mann öffnet die Tür und schlüpft in die Schule. Die Mädchen überlegen kurz, dann schleichen sie hinterher. Er steigt die Treppe bis zur 2. Etage hoch und dort verschwindet er gleich in einem Unterrichtsraum.

Man kann ihn kurz rumoren hören.

Nachdem Annika, Nadja und Katharina so lange gewartet hatten, öffnen sie ohne ein Geräusch die Tür.

Und nun bietet sich ein komisches Bild:

Der Mann hat einen durchsichtigen Schlauch am Klavier befestigt, der in einen Eimer läuft. Das Ungewöhnlichste aber ist, dass Noten durch ihn in den Eimer fließen.

Nadja zieht Annika und Katharina zurück und schließt leise die Tür. Dann wispert sie: "Habt ihr gesehen? Dem Mann fehlt ein Stück seines Mantels und das Schlimmste: Er klaut den Klavieren die Töne!"

Katharina meint dazu: "Stimmt! Und jetzt müssen wir schleunigst die Polizei rufen. Das Mantelstück musst du als Beweis behalten, Annika!"

Die drei laufen so schnell es geht zum Telefon, das im Erdgeschoss ist. Von hieraus rufen sie die Polizei, die auch schnell kommt und den Tönedieb gerade noch schnappen kann.

Verzweifelt legt dieser ein Geständnis ab: "Ich brauche Geld! Die Töne nehm ich aus den Klavieren und in meinem Labor verwandele ich sie in Melodien , die ich an Keramikmuschelfabriken verkaufe, die die Muscheln künstlich herstellen. Die Melodien werden als seltenes Meeresrauschen eingebaut und für sehr viel Geld verkauft."

"Sie wissen, dass dieses eine widerrechtliche Handlung ist?", sagte der Polizist. "Aber da uns diese Geschichte sowieso niemand glauben wird, lassen wir einmal Gnade vor Recht ergehen. Holen sie die Töne zurück und bauen sie sie wieder in die Klaviere ein und wir vergessen die Sache. Aber tun sie das nie wieder! Die Keramikfabrik wird dumm gucken ohne ihre Melodien."

Ein Lächeln gleitet über das Gesicht des Mannes: "Danke, das werde ich bestimmt nicht wieder tun. Ich verspreche es!"

So ist der Fall geklärt und am nächsten Tag eird ohne viel Aufsehen - wie immer bis auf den letzten Tag - weiter Klavierunterricht gegeben.

*     *     *


Tönchen

von "Fantasia Fabula"

Das war vielleicht ein Tag!

In der Schule war alles, aber wirklich auch alles schiefgegangen, was schiefgehen konnte. Gleich morgens die Klassenarbeit. Die Zeit reichte irgendwie nicht. So ein Mist - ob der Lehrer falsch geplant hatte? Streit in der ersten großen Pause - hoffentlich würde man sich schnell wieder vertragen. In der nächsten Stunde vergessene Hausaufgaben; da war Ärger schon im Voraus angesagt. Später, in der zweiten großen Pause, ´ne nervige Diskussion mit einem der Lehrer. Als wenn man nichts Besseres zu tun hätte! Zwei Vertretungsstunden zum Abschluss des Unterrichts, wo man eigentlich gemütlich hätte zu Hause sein können. Oh man, die nahmen gar kein Ende! Dann noch der verpasste Bus ...

Eigentlich reichte es!

Und gleich die erste Musikschulstunde ...

Mit ungutem Gefühl, das Instrument unter den Arm geklemmt, geht es los. Heute würde bestimmt nichts gelingen.

Oje, das "Übel" nimmt seinen Lauf. Ein Auto nähert sich, darin Mama und Oma. Der Wagen hält. Nach einer kurzen Begrüßung fragt Mama: "Wo geht ´s denn hin?" Mama müsste es eigentlich wissen! "Zum Unterricht - hab doch heute den ersten Musikschulunterricht!"

Der beobachtete kurze Blick zwischen Mutter und Großmutter macht es klar: die kommen mit! Auch das noch - aber wie hätte es an so einem Tag anders sein können?

Nun ist es soweit! Jedenfalls scheint der Lehrer ganz in Ordnung zu sein - oder was mag da noch kommen? Wenn nur die Zuhörer nicht wären!

Was herauskommt, ist so, wie man es an einem solchen Tag nicht anders erwarten kann: alles klingt schief und unschön. Das macht gar keinen Spaß! Komisch, der Lehrer bemerkt es wohl gar nicht. Ob der auf den Ohren sitzt? Mama und Oma gucken jedenfalls nicht begeistert. Selber Schuld! Müssten ja nicht dabeisein ...

Immer wieder Tonversuche. Plötzlich, ganz leise, ist es da. Es steht im Raum, als sei es das Selbstverständlichste, was es gibt: das Tönchen - wunderschön und hell klingend, aber noch ganz klein!

Wo kommt es nur her? Aus meinem Instrument? An so einem Tag? - Ist das schön!

Tönchen, bist du wirklich mein Tönchen? Keine laute Frage, dennoch eine Antwort: "Ja, ich bin dein Tönchen! Nimm mich auf und bewahre mich in deiner Erinnerung."

Und Oma, Mama und der Lehrer?

Der Lehrer grinst zufrieden. "Na, das wird doch was!" Mama sieht echt stolz aus. Nur wegen dieses einen Tons? Schon verwirrend! Und Oma? Die lächelt und scheint sehr glücklich zu sein. Hab Dank, mein "Tönchen".

Welch ein Tag!

*     *     *


Ein bisschen Werbung kann nicht schaden ...


Die Zeichnung ist von Patrick Schröder

Oh holdes Mädchen, darf ich’s wagen,

euch dieses Lied hier vor zu tragen?

Ach, es ist wunderbar, mein Singen,

erst recht, wenn Lauten dazu klingen!

 

Dem Fräulein ist das gar nicht recht,

von schrägen Klängen wird ihr schlecht.

Und schon, da denkt sie still bei sich:

„Oh Mann, wie ist das fürchterlich!“

 

Den Blumentopf wirft sie sodann

wohl an den Kopf dem armen Mann.

Die Liebe kommt hier nicht zum Ziel –

der falschen Töne war’ n zu viel!

 

besser:

lernen an der Musikschule

 

*     *     *


Gedanken ... eines alten Akkordeons

von Martina Klusmeier

 

Schon wieder !!!

 

Pfft!!

Er hat es schon wieder getan !!!

Immer dasselbe mit dem Menschen!

Pffft!! Pffft!!

Warum eigentlich nur?

Warum immer ich?

Wochenlang liege ich in der Ecke, und kein Schwein denkt an mich.

Eingemottet in dem dunklen Kasten.

Und dann ...

Ohne Vorwarnung ...

Raus aus der Kiste, vor den Bauch, und dann ...

Soll ich auch noch ordentlich Musik machen !!!

Ich !!!

Als ob ICH dafür zuständig wäre.

Soll er doch üben!!

Täte mir auch gut, mal regelmäßig ein bisschen Gymnastik.

Mal den Staub aus den Lungen pusten – und aus den Tasten und Knöpfen.

Aber nein !!

Pfffffft !!!

Na bitte!

Jetzt ist es wieder so weit!

Da schimpft er wieder laut vor sich hin ...   La Palooooooma!!

Kann ich was dafür, wenn er alles verlernt hat?

Pfft!! AU !!!

Das war’s dann für dies Mal.

Bis zum nächsten Geburtstag.

Pfffffffft !!!

 

*     *     *


Gedanken ... eines alten Saxofons 

von Martina Klusmeier

 

Oh Mann!! Wenn er bloß nicht immer zu zappeln würde!

Man wird ja ganz dudelig im Kopp!

Halt doch mal still!

Seit Jahren mach ich das schon mit jetzt.

 

Konnte ich nicht an einen Menschen geraten, der still auf seinem Platz sitzt und Musik mit mir macht – statt immer diese Gewalt-Schunkelein!!

Jetzt ... ich hab’s gewusst!

Solo nennen sie das! Da springt er wieder auf und hüpft auf seinem Platz auf und ab.

Und ich muss mit.

Und vernünftig spielen soll ich dabei auch noch.

Die verlangen was von einem.

...

So viele hübsche Mädchen im Publikum.

 

Wie die sich verändert haben mit der Zeit. Früher, die weiten Röcke, dann die knallengen Jeans – dass da überhaupt noch Mädels reinpassten –

 

heute ... na, heute gibt’s von allem was ...

Und nicht ein Mal, nicht ein einziges Mal, hab ich eins davon scharf sehen können!!

Immer verwackelt !!!

Ich wünsch mich zur Volksmusik!!!!!


Gedanken ... eines alten Klaviers

von Martina Klusmeier

 

Wie lange steh’  ich hier eigentlich schon?

Geputzt könnt’  ich ja auch mal wieder werden.

Wie ich wohl klinge?? Lange nichts mehr von mir gehört!

Oh – da kommt wer!

Vielleicht ein Pianist? Einer der ganz Großen??

Vielleicht gibt er ein Konzert? AUF MIR !

...

Nein, nein. Nicht hier.

Nicht in diesem alten, dreckigen, dunklen Raum.

Hier hat schon lange niemand mehr gelüftet, und gestaubsaugt.

Sicher hat er sich nur verlaufen.

...

Aber ... da kommen noch mehr.

Was bringen sie denn da?

...

Das hätte ich mir auch nicht träumen lassen auf meine alten Tage!

Missbraucht als Theke !!!

Eine Party feiern die hier. Und ich muss herhalten für die Gläser, und Flaschen ...

Halt, halt!! Wartet doch!! Ich bin ein Klavier! Ich habe schon bessere Tage gesehen. Auf mir haben berühmte Menschen gespielt.

Nicht euer Bier hier abstellen. Nicht !!

Jetzt ist es passiert !!!   Iiiiih !!

Ich mag kein Bier.

Macht mich gefälligst sauber. Ich brauche keine letzte Bier-Ölung. Macht mich sauber!!

Ach ...

*     *     *